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Leistungsanteil (Faktor q) unerklärlich tief

Ausgangslage

Bei der Prüfung eines Honorarangebots fällt auf, dass der Leistungsanteil q ungewöhnlich tief ist. Eine genauere Analyse ergibt, dass bei einigen Leistungspositionen im Vergleich zu den normalen Prozentanteilen gemäss Leistungstabelle zu tiefe Werte eingesetzt worden sind.

Näheres zum Leistungsanteil q: Siehe Buch «Mit wem baue ich?»; Abschnitt «Erläuterungen zu den Honorarfaktoren»; Absatz «Faktor q (Leistungsanteil)». >> Mehr ...

Analyse der Abweichungen

Für die Analyse der Abweichungen wird die Leistungstabelle (siehe unten) gemäss SIA-Honorarordnung 102 (Architekten) herangezogen (Art. 7.7 SIA 102; Ausgabe 2014).

Die grösste Abweichung besteht bei den Ausführungsplänen, wo nur 5% statt 15% berechnet werden. Ganz verzichtet wird auch auf die Berechnung der gestalterischen Leitung, was weitere 6% ergibt. Kleinere Einsparungen findet man zudem beim Bauprojekt und bei den Ausschreibungsplänen.

Obwohl die gesamte Architektenleistung erbracht wird, beansprucht der Architekt nur einen Leistungsanteil q von 80%.

Die tieferen Werte (blau dargestellt) im Vergleich zur Basis nach SIA-Honorarordnung 102 sind vermutlich darauf zurückzuführen, dass der Anbieter davon ausgeht, bei diesen Leistungen weniger Aufwand zu haben als in der Vorlage. Die Ausführungspläne beispielsweise entstehen gemäss seiner Ansicht ohne viel zusätzliche Arbeit mehr oder weniger automatisch aus den Ausschreibungsplänen, und die gestalterische Leitung scheint ihm erfahrungsgemäss kaum mit nennenswerten eigenen Leistungen verbunden zu sein.

Leistungstabelle gemäss SIA-Honorarordnung 102 (Architekten)
Art. 7.7 SIA 102; Ausgabe 2014 (vereinfacht)

Schlussbetrachtung

Wir haben es hier mit einer seltsamen Praxis der Honorarberechnung zu tun, die wohl auf der aktuell verwendeten Honorarformel gemäss SIA-Honorarordnung 102 basiert, diese aber ziemlich unorthodox interpretiert. Der zu tiefe Leistungsanteil q wird quasi als Rabattfaktor benutzt. Anhand der Honorarformel ergibt sich ein relativ günstiges Honorar, ohne dass ein Rabatt offen ausgewiesen wird.

Der nicht sachkundige Bauherr kommt durch diese Praxis natürlich nicht zu Schaden. Störend ist aber, dass die Honorarberechnung von ihm und allfälligen sachkundigen Beratern nur schlecht nachvollzogen werden kann.