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Aufwandbestimmende Baukosten B zu hoch

Ausgangslage und Grundsätzliches

Bei einer Expertise im Hinblick auf die Überprüfung eines Architektenhonorars stosse ich auf den seltenen Fall, dass die aufwandbestimmenden Baukosten B krass falsch berechnet sind.

Grobe Fehler sind aufgrund meiner Erfahrungen bei dieser Sachfrage selten. Meinungsverschiedenheiten über Details kann es aber immer wieder geben. Dafür verantwortlich sind die Berechnungsregeln gemäss SIA-Honorarordnung 102, die teilweise etwas kleinlich sind. Nach Art. 7.5 Abs. 2 SIA 102 (2014) soll beispielsweise der Skonto nicht abgezogen werden, um die aufwandbestimmenden Baukosten B zu ermitteln.

Aufwandbestimmend und somit massgebend für das Honorar sind in der Regel die eigentlichen Bauarbeiten, und zwar für Gebäude, Umgebung und Erschliessung. Bei den Vorbereitungsarbeiten (Baugrubensicherung, Pfählung etc.) ist im Einzelfall zu klären, ob sie für den Architekten aufwandbestimmend und daher auch honorarberechtigt sind. Nicht massgebend für das Honorar sind in jedem Fall das Grundstück, die Honorare selber sowie Baunebenkosten aller Art (Finanzierung, Gebühren etc.).

Näheres zu den aufwandbestimmenden Baukosten B: Siehe Buch «Mit wem baue ich?»; Abschnitt «Erläuterungen zu den Honorarfaktoren». >> Mehr ...

Gründe für die falsche Berechnung

Im oben angesprochenen Fall geschieht der Hauptfehler bei der falschen Berechnung der aufwandbestimmenden Baukosten B bei den Gebäudekosten BKP 2, die anhand einer kubischen Berechnung ermittelt worden sind. Bei den Kubikmeterpreisen sind die Honorare nämlich eingeschlossen, was aber nicht auf Anhieb ersichtlich ist (die entsprechenden Beträge sind von mir in die Tabelle unten eingefügt worden). Im Hinblick auf die Ermittlung der aufwandbestimmenden Baukosten B müssen die Honorare abgezogen werden.

Einen weiteren groben Fehler gibt es bei den Baunebenkosten (BKP 5), die ebenfalls ganz klar nicht aufwandbestimmend sind.

Aufgrund dieser beiden Korrekturen (Honorare und Baunebenkosten) reduziert sich die Summe der aufwandbestimmenden Baukosten von 763'000 Fr. auf 448'000 Fr.

Tabelle zur Ermittlung der aufwandbestimmenden Baukosten B

Erläuterungen:
— Links ist die ursprüngliche Variante 1 (gelb) mit falscher Berechnung der aufwandbestimmenden Baukosten.
— Rechts ist die von mir korrigierte Variante 2 (blau). Entfernt aus der Summe der aufwandbestimmenden Baukosten sind die Honorare (rote Schrift) sowie die Baunebenkosten (BKP 5).

Auswirkungen auf die Höhe des Honorars

Die Auswirkungen der falsch berechneten aufwandbestimmenden Baukosten B auf das Architektenhonorar sind erheblich. Mit den eingesetzten Werten für die Honorarfaktoren (n, q, r, i, s und h) ergibt sich bei der richtigen Berechnung (Variante 2; blau) ein Honorar von 108'400 Fr., während es bei der falschen (Variante 1; gelb) 138'400 Fr. ausmacht. Der falsch berechnete Wert ist also 28% höher als der richtig berechnete.